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Selbstwertgefühl Reloaded – das Selbst im 21. Jahrhundert

Selbstwertgefühl
Foto: flickr/ Björn Rudner
CC BY-SA 2.0

Bewusstsein ist Ausdruck des menschlichen Lebens. In allen großen geistigen und philosophischen Traditionen gilt, je höher und klarer die Form des Bewusstseins, desto fortentwickelter die Lebensform.
„Sapere aude“ – „Wage es, weise zu sein“ lautet ein altes lateinisches Sprichwort. Meist wird dieses Zitat im Zusammenhang mit dem Philosophen Immanuel Kant erwähnt, der es einst zum Leitspruch der Aufklärung erklärte: „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Den Mut wachen Sinnes und nicht schlafwandlerisch durch das Leben zu gehen.
Was hat dieses Zitat konkret mit dem Selbstwertgefühl im 21. Jahrhundert zu tun? Doch vorweg, was hat es mit dem Selbstwertgefühl der Menschen in den früheren Zeitaltern zu tun?

Für das Überleben eines Menschen beispielsweise in der Steinzeit, war es von elementarer Bedeutung die eigene Umgebung sehr genau lesen zu können. Es war geradezu lebensnotwendig sich der Gefahren der Natur bewusst zu sein, die Wetterverhältnisse abschätzen zu können und sich über die Nähe oder Distanz anderer Sippen im Klaren zu sein. Darüber hinaus gestaltete sich die Nahrungssuche zu einem täglichen Überlebenskampf, für den alle Sinne offen sein mussten. Somit hatten Bewusstheit, also die Bedienung und das Vertrauen auf den eigenen Verstand, oberste Priorität. Und das zieht sich durch alle Zeitalter. Auch wenn sich die Herausforderungen jeweils geändert haben, so blieb die Wichtigkeit, bewusst leben zu können, stets eine bleibende Konstante, eine bleibende Voraussetzung für das Überleben des Einzelnen, aber auch für das Überleben der Menschheit.

So hat auch der Psychotherapeut Nathaniel Branden im 20. Jahrhundert definiert, dass bewusstes Leben die erste und wichtigste Säule für ein gesundes, starkes Selbstwertgefühl darstellt. Doch was genau heißt es bewusst zu leben? Diese Maxime mag vielleicht zu abstrakt klingen. Oder diese Lebensregel wird zurückgewiesen, denn leben wir nicht bereits bewusst in unserem Zeitalter der Technik, der Globalisierung? Benutzen wir nicht unentwegt, ja eigentlich viel zu viel unseren Verstand, um mit der unaufhörlich zunehmenden Komplexität mitzuhalten – in unserer Zeit, wo permanente Weiterentwicklung und Lernen zum Überleben dazugehören? Schauen wir genauer hin und betrachten wir die elementaren Dinge unseres Lebens.

Wie bewusst leben wir wirklich?

In unserer westlichen Welt erhalten wir unsere Nahrung meist portioniert und abgepackt geliefert, ohne zu wissen wie sie hergestellt, gehalten oder angebaut wurde, ohne zu wissen welche Chemikalien und Stoffe hinzugefügt wurden und welche Auswirkungen das auf unseren Verstand und Körper hat – kurzfristig und langfristig. Wir müssen Wetterverhältnisse längst nicht mehr abschätzen können, denn freundliche Menschen in den Nachrichten geben uns meist eine präzise Vorhersage. Wir müssen uns auch keine eigene Meinung mehr zu den Weltverhältnissen bilden, denn in den Medien erhalten wir täglich und wiederholt Zusammenschnitte von dem, was scheinbar wahr ist. Aber setzen sich Nachrichten nur aus dem zusammen, was gesagt und gezeigt wird, oder nicht vielmehr auch aus dem, was weggelassen und nicht gezeigt wird? Sind im Zeitalter von Bluescreen-Technik und Photoshop nicht alle Möglichkeiten gegeben, Nachrichten so zu gestalten, wie es Jenen genehm ist, die die Medien bedienen und wo zuweilen die Inszenierung von Hollywood-Filmen daneben zu verblassen scheint? Und steckt in dem Wort Nachrichten nicht ganz konkret die Aussage „sich nach etwas richten“? Verbirgt sich nicht hinter dem Wort Fernsehprogramm die Bedeutung, dass man unseren Verstand mit Programm füllt, ihn also programmiert?

Bewusst leben bedeutet intellektuelle Unabhängigkeit und freie Wahl

Wir sollten uns bewusst sein, dass wir aufgrund unserer technischen Errungenschaften – so wertvoll diese auch sind – dazu tendieren, unbewusster zu leben als unsere Steinzeit-Vorfahren.

Wir haben die Wahl, ob wir uns um Klarheit und Wahrheit in unserem Leben bemühen, sowohl innerlich als auch äußerlich, oder ob wir uns mit verschwommenen Umrissen und Schatten begnügen. Wir können bewusst handeln oder unser Leben mehr oder weniger unbewusst an uns vorbeiziehen lassen. Für unser Selbstwertgefühl hat es auf jeden Fall immense Konsequenzen, denn wir können uns nicht kompetent fühlen und uns selbst achten, wenn wir uns schlafwandlerisch durchs Leben bewegen. Unbewusst leben hat zur definitiven Folge, dass das eigene Leben fremdgesteuert wird, anstatt es selbstbewusst zu formen.

Je bewusster wir leben, desto mehr vertrauen wir den eigenen Entscheidungen und respektieren uns dafür. Und je mehr wir das tun, desto bewusster leben wir. Ein Kreislauf, der uns auch darauf hinweist, dass wir die Errungenschaften unserer Vorfahren nicht gering achten sollten und uns auch daran erinnert, dass unsere Vorfahren, wie beispielsweise Immanuel Kant, vor allem auch Dichter und Denker waren und dass es ein sehr langer, mühevoller Weg bis dahin war. In diesem Sinne: Haben wir den Mut, uns unseres eigenen Verstandes zu bedienen.

Comment 1

  1. Eloise
    25. November 2016

    That’s a smart way of loonikg at the world.

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