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Das innere Match gewinnen

Das innere Match gewinnen
Illustration: CHILI CON GRAPHICS BECKER
Maria-Nicole Becker

Sie haben sich bestimmt schon öfters dabei ertappt, mit sich selbst zu sprechen, oder? Gedanklich und/oder mit Worten? Vielleicht haben Sie dabei auch noch wild mit den Händen gefuchtelt (so wie ich) oder etwas Anderes getan, dass in jenem Moment jeder Logik entbehrt hat? Wenn dann jemand Ihr Gemurmel mitbekommen und Sie darauf angesprochen hat, haben Sie wahrscheinlich unangenehm berührt oder genervt geantwortet: „Ach, ich habe nur mit mir selbst gesprochen.“ Vorweg: Keine Sorge, das ist nicht besorgniserregend. Besorgniserregend wäre es, wenn Sie dergleichen noch nie getan hätten.

Doch haben Sie sich schon mal gefragt, wer bei so einem inneren Dialog eigentlich mit wem spricht? Wer ist das Ich? Und wer ist das Selbst? Wer sagt was? Was ist der Zweck dieses Dialogs? Und vor allem: Welchen Einfluss hat das auf uns selbst, auf unsere Beziehung mit uns selbst und mit anderen, auf unsere Arbeit, auf Erfolg oder Niederlage, auf Gesundheit oder Krankheit, auf das lange Jung bleiben oder schnell Alt werden, ja, auf jeden erdenklichen Aspekt in unserem Leben in jedem einzelnen Moment?

Ich hatte die Freude all diese und noch weitere Fragen während eines Vortrags der Eröffnungsfeier von juggleHUB, einem sehr schönen und charmanten coworking space im Prenzlauer Berg, am 24.06.2016 zu beantworten. Geholfen hat mir dabei der großartige und sympathische Tennisspieler Tommy Haas. Nun ja, zumindest indirekt durch ein spektakuläres Video, das von ihm aufgenommen wurde.

Was wir von Tommy Haas lernen können

Australien Open. 2007. Tommy Haas spielt gegen Nikolai Davydenko und liegt zurück. Seine jetzige Frau und damalige Freundin war damals zum ersten Mal bei einem seiner Spiele dabei und verständlicherweise wollte er besonders glänzen in seinem Spiel, doch stattdessen schlägt er einen einfachen Ball ins Netz. In der darauffolgenden 2-minütigen Pause spricht dann sein Ich mit seinem Selbst ein paar ernste Wörtchen, die es in sich haben, während er sich in sein Handtuch schnäuzt und aus drei verschiedenen Fläschchen trinkt. „Du kannst nicht gewinnen, Haasi… es geht nicht. So geht’s nicht… SO GEHT ES NICHT… zu schwach… zu viele Fehler. Ich hab keinen Bock mehr… ich hab keine Lust mehr… für was mache ich die Scheiße?…“

Das Spiel wird im Innen und nicht im Außen gewonnen

Der ehemalige Tennislehrer und fabelhafte Coach W. Timothy Gallwey, hat bereits vor über 40 Jahren herausgefunden, dass das Tennisspiel, und auch jede andere Sportart, nicht auf dem Spielfeld, sondern vorranging im Kopf, im Inneren des Spielers/der Spieler gewonnen wird. Gallwey hat die Erfahrung gemacht, dass viele Tennisspieler zu unförderlichen Selbstdialogen neigen und diese maßgeblich entscheidend über Sieg oder Niederlage sind. Schlägt ein Tennisspieler einen Ball ins Netz und verurteilt sich dafür, wird er sich schlecht fühlen, sein nächster Schlag wird höchstwahrscheinlich wieder ins Netz gehen und er wird sich noch schlechter fühlen und so weiter. Eine Spirale nach unten.

Wie genau ist nun die Situation mit Tommy Haas ausgegangen? Nachdem Haas sich zwei Minuten verbal völlig in den Boden gestampft und seine ganze Karriere in Frage gestellt hat, wohlgemerkt wegen einem einzigen Ball, der ins Netz gegangen ist, schaffte er etwas Außergewöhnliches: Innerhalb von 10 Sekunden hat er sich mit aufmunternden Worten dermaßen motiviert, dass er nicht nur den nächsten Satz, sondern das ganze Match gewonnen hat.

„ABER DU GEWINNST… du gewinnst das Match, komm. Du kannst nicht verlieren. Fighte. Fighte. Kämpfe!!“, motivierte sein Ich sein Selbst. Oder vielleicht sein Selbst sein Ich? Da tut sich ein immens großes Feld auf.

Was Selbstvertrauen wirklich bedeutet

Wie auch immer, er nutzte seine tiefen negativen Emotionen als Sprungbrett, um zu den hohen positiven Gefühlen zu kommen. Das verschaffte ihm den Sieg, weil sie seine Gefühle, seine Körperhaltung verwandelten und sein Selbstvertrauen stärkten. Hierin steckt auch der Schlüssel, um zu verstehen, was Selbstvertrauen wirklich bedeutet. Das Ich vertraut dem Selbst in uns.

Und was hat nun das Tennisspiel von Tommy Haas mit uns selbst zu tun?

Fest steht, dass die Qualität unseres Selbstdialogs maßgeblich für die Qualität unseres Lebens verantwortlich ist. Es macht einen gewaltigen Unterschied ob wir uns selbst mit „Vollidiot“ ansprechen oder freundlich und aufbauend mit uns selbst kommunizieren. Worte haben eine ungeheure Macht – sowohl in Bezug darauf, was wir uns selbst sagen als auch darauf, was wir anderen sagen.

Auch unser Leben wird nicht im Außen „gewonnen“. Nicht die äußeren Umstände entscheiden darüber, ob wir glücklich, erfolgreich, gesund etc. sind, sondern vor allem das, was wir in Gedanken und Worten zu uns selbst sagen, die Geschichte die wir uns selbst erzählen. Die unsichtbaren Gefühle weben unser Leben entsprechend dem, was wir uns selbst bewusst oder unbewusst eingegeben haben und eingeben. Und natürlich was wir uns von unserer Umgebung, den engsten Menschen um uns, den Medien etc. eingeben lassen.

So sind es der unsichtbare Gedanke /das unsichtbare Gefühl, die unser Leben lenken

Wenn negative oder unedle Gedanken durch unser Gemüt ziehen, tun wir das gerne leichtfertig ab, dass das lediglich Gedanken seien, doch sie, vor allem sie, machen uns zu dem, was wir sind. Nicht unsere Gene, nicht unsere DNA, denn es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass unsere Gedanken und Gefühle unsere DNA verändern können und damit das bestätigen, was uns bereits der Talmud einst verhieß:

„ACHTE auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
ACHTE auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
ACHTE auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
ACHTE auf deine Gewohnheiten, denn sie werden Charakter.
ACHTE auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“

Das gilt nicht nur langfristig, sondern in entscheidenden Situationen auch kurzfristig.
10 Sekunden, 5 Sekunden, 1 Sekunde können unser Leben verändern, wenn wir unsere Gedanken und Gefühle verändern oder im Griff haben. Das ist so unheimlich wie magisch. Das ist das Leben. Das ist das Spiel. Und Sie können es jederzeit beeinflussen.

Comments 2

  1. Johnie
    25. November 2016

    That adsrsdees several of my concerns actually.

    1. Lolita
      29. November 2016

      @Johnie. Thanks for your comment. If you have any questions to this topic, please let me know. I am happy to share.

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